„Singen Sie dann auch dazu?“

Über kaum ein klassisches Instrument gibt es so viele Missverständnisse wie über die klassische Gitarre, während hervorragende Gitarristen heute in allen großen Städten der Welt konzertieren. Dabei sind moderne Konzertgitarren für die Bühne gebaut und spätestens der berühmte Gitarrist Andrés Segovia etablierte die klassische Gitarre als Soloinstrument auch für große Bühnen und Konzertsäle.
Erstklassige Komponisten wie Manuel de Falla schrieben Kompositionen für die klassische Gitarre, leicht adaptierbare Stücke für ihre Vorgänger wie die Laute wurden schon von J.S. Bach und seinen Zeitgenossen komponiert. Aufgrund der enormen Möglichkeiten auf der klassischen Gitarre gewinnen auch Stücke von ganz anderen Instrumenten auf ihr oft sogar an Musikalität hinzu.
Auch in ein Ensemble oder sogar Orchester kann sich eine Gitarre hervorragend einfügen oder sogar aus ihnen herausstechen: Zahlreiche Gitarrenkonzerte wurden geschrieben, lange bevor es Möglichkeiten zur elektronischen Verstärkung gab.

Konzert-Gitarrist in Nürnberg - Bild 1
Konzert-Gitarrist in Nürnberg - Bild 2

Besonderheiten der Gitarre

Tatsächlich bietet die klassische Gitarre dem Gitarristen musikalische Möglichkeiten, die in der großen Welt der Musikinstrumente einzigartig sind: Kein anderes Instrument, auf dem man 6 Stimmen (Töne) gleichzeitig spielen kann, bietet gleichzeitig dermaßen viele Gestaltungsmöglichkeiten wie Glissandi, Vibrato, Klangfarben usw. Soloinstrumente wie das Klavier legen den ganzen Focus auf möglichst viele gleichzeitig spielbare Töne, Orchesterinstrumente wie die Flöte legen den ganzen Focus auf die Klanggestaltung. Die Gitarre kombiniert das beste aus beiden Welten und eröffnet so ganz neue Klangwelten.
Davon kreativ Gebrauch zu machen und dem Publikum diese Faszination zu vermitteln, liegt natürlich in der Verantwortung eines guten Gitarristen und Musikers und ist leider nicht selbstverständlich – zu viele Gitarristen begnügen sich mit der Schönheit des „Standard-Gitarren-Klangs“ der Komositionen. Ich versuche, in meinem Repertoire, in jedem Programm und sogar innerhalb jedes Stückes die klanglichen Möglichkeiten der Gitarre auszureizen.

Aktuelles Konzertprogramm

Das Programm „Kontraste“ von ca. 65 Minuten besteht im Kern aus drei Werken in bewusst krass kontrastierenden Stimmungen und kann auf Wunsch erweitert werden: 1. Fernando Sor: Mes Ennuis Op.43 ; 2. Peteris Vasks: Vientulibas Sonata (Sonate der Einsamkeit) ; 3. Manuel Maria Ponce: Variaciones sobre „La Folia de Espana“.
Aus einem Programm: „In „Mes Ennuis“ schildert Fernando Sor mit teilweise tiefgreifenden Emotionen seine Probleme („Ennuis“) mit einigen Komponisten seiner Zeit, setzt sie aber in einen Rahmen aus wohligen Klängen, die in weiten Teilen sehr freudig, beinahe doch sorglos wirken. Dem setzt Peteris Vasks ein jähes Ende: Die „Sonate der Einsamkeit“ beschreibt nach meiner Interpretation die Verarbeitung des unvorhergesehenen Todes oder der Nachricht über den sicher bevorstehenden Tod einer geliebten Person – von nackter Fassungslosigkeit über stumpfe Wut bis hin zum beinahe versöhnlichen Abschiednehmen. M. M. Ponce zeigt uns schließlich mit einem gewaltigen Variationszyklus, wie viele Nuancen es zwischen diesen beiden Extremen zu entdecken gibt – in der Musik wie auch in ihrem Vorbild, unserem täglichen Leben.“

Konzert-Gitarrist in Nürnberg - Bild 3
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